Einweihung des Niedergailbacher Schulgebäudes – vor 70 Jahren

Vor 70 Jahren – am 14. September 1950 – wurde das Niedergailbacher Schulgebäude seiner Bestimmung übergeben. Als erste Gemeinde des damaligen Kreises Homburg erhielt Niedergailbach nach dem Zweiten Weltkrieg ein neues Schulhaus.

 




Das um 1820 erbaute alte Schulgebäude mit Lehrerwohnung erwies sich schon vor dem Zweiten Weltkrieg als vollkommen unzureichend, da es nur einen Lehrsaal enthielt und auch der bauliche Zustand eine Erneuerung dringend erforderlich machte. Über Jahre musste die Gemeinde das von der Regierungskommission, dem Kreisschulamt und dem Bezirksamt geforderte Projekt „Schulhausneubau“ aufgrund der schlechten Finanzlage immer wieder zurückstellen. Erst nachdem im Jahre 1936 die Bewilligung staatlicher Hilfe in Aussicht gestellt worden war, konnte die Gemeinde das Bauvorhaben angehen, wobei die Bauplatzbeschaffung einige Zeit in Anspruch nahm. Erst im Jahre 1939 erfolgte dann die Vergabe der Bauarbeiten. Die begonnenen Ausschachtungsarbeiten mussten jedoch bei Kriegsbeginn eingestellt werden.

Bei den schweren kriegerischen Auseinandersetzungen in den Wintermonaten 1944/45 wurde auch das alte Schulhaus total zerstört. Schon kurz nach Kriegsende setzte sich die Gemeindeverwaltung für die Errichtung eines neues Schulgebäudes ein, konnte aber infolge finanzieller Schwierigkeiten das Vorhaben nicht stemmen. Der tägliche Schulunterricht musste  von Herbst 1945 bis Herbst 1950 im damaligen Gasthaus Franz Rauch abgehalten werden. Schulbänke standen damals nicht zur Verfügung, da auch diese im Krieg zerstört wurden. Aufgrund der vorhandenen Räumlichkeiten fand der Schulunterricht im Wechsel vor- und nachmittags statt, wie der heute 86-jährige Edwin Anna weiter berichtet.

Erst im Jahre 1949 war es durch die von der Saarregierung bewilligten Finanzmittel möglich geworden, den Bau in Angriff zu nehmen. Trotz der damals herrschenden Nöte, fand die kleine Grenzgemeinde die Kraft und den Mut, das Projekt angehen. Die Planung und Bauleitung oblag dem Kreisbauamt.

Etwas „holprig“ verlief der Baubeginn im Sommer 1949. So musste der Gemeinderat vom 5. bis 10. Juli 1949 fünfmal tagen, bis letztendlich mit den Erd-, Maurer- und Betonarbeiten die Bauunternehmen Dominikus Krämer, Niedergailbach und Heinrich Bachmann, Homburg in Arbeitsgemeinschaft beauftragt wurden.  Fast zeitgleich mit dem Schulhausneubau wurde die Lehrerwohnung und das sich in unmittelbarer Nähe der Schule befindliche Feuerwehrgerätehaus errichtet. Auch dies sollte Beweis dafür sein, mit welch starkem Willen die Bevölkerung den Wiederaufbau des vom Kriege besonders schwer heimgesuchten Grenzdorfes vorantrieb.

Nach knapp 14-monatiger Bauzeit war das Gebäude fertiggestellt. In Anwesenheit vieler Gäste, darunter Kultusminister Dr. Emil Straus, Landrat Hermann Trittelvitz und Schulrat Josef Groh wurde die neue Erziehungsstätte am 14. September 1950 eingeweiht. Bei strahlendem Sonnenschein konnte Bürgermeister Hermann Rauch auch das Lehrpersonal, die Schüler/innen sowie viele Niedergailbacher zur Einweihungsfeier auf dem Schulhof begrüßen. Die kirchliche Einweihung nahm Pfarrer Jakob Sander, Reinheim, vor.  In seiner Festansprache bezeichnete Kultusminister Dr. Straus das Niedergailbacher Schulgebäude als die bisher schönste Volksschule des Saarlandes.  Die Einweihung des neues Schulhauses war ein ganz besonderes Ereignis, das auch am Abend mit einer Tanzveranstaltung im Gasthaus Wilbert gefeiert wurde.

Im Obergeschoss des neuen Schulhauses befanden sich zwei Lehrsäle, ein Lehrmittelraum und ein Sitzungsraum für den Gemeinderat, in dem auch von der Verwaltung die wöchentlichen „Bürostunden“ abgehalten wurden. Die im Erdgeschoss installierte Schülerbrause wurde Mitte der 60iger Jahre zum Bücherei- und Sitzungsraum umfunktioniert. Außerdem befand sich im Erdgeschoss noch das Volksbad mit Brause- und Wannenbädern. Diese Einrichtung wurde Anfang der 70iger Jahre geschlossen. Von der ursprünglich offenen Pausenhalle waren auch die Toilettenanlagen zu erreichen. Unterrichtende der ersten Stunde in den neuen Räumen waren die Lehrkräfte Klara Thomas , Klasse 1 bis 4 und Emil Westrich, Klasse 5 bis 8.

Bis Anfang der 70iger Jahre diente das Gebäude der eigenständigen Katholischen Volksschule, bzw.

Volksschule Niedergailbach als Unterrichtsstätte. Die Gebiets- und Verwaltungsreform zum 01. Januar 1974 bedeutete auch das „Aus“ der Eigenständigkeit. Zum 1. August 1974 wurde die Volksschule Niedergailbach aufgrund der Neuorganisation der Grund- und Hauptschulen aufgelöst. Zunächst waren noch zwei Klassen der Grundschule Reinheim nach Niedergailbach ausgelagert.

Nach Ende des Schuljahres 1975/76 musste der langjährige Rektor Wendelin Motsch endgültig seine Wirkungsstätte verlassen. In den 80iger Jahren nutzten der Männergesangverein und die Katholische Jugend über einige Jahre die Schulsäle. Nach umfassender Renovierung wurde das Gebäude ab dem Schuljahr 1988/89 wieder für schulische Zwecke genutzt. Zwei Schulklassen der Grundschule Reinheim waren nach Niedergailbach ausgelagert. Mit Ende des Schuljahres 2002/03 verließen dann endgültig die letzten Klassen mit den Lehrkräften Theophile Rauch und Marliese Bruch die Niedergailbacher Erziehungsstätte.

Zwischenzeitlich diente das Gebäude dem Gersheimer Kindergarten zweimal als Unterkunft. Heute wird das Obergeschoss als Gemeindearchiv genutzt. Im Untergeschoss befindet sich das Ratszimmer des Ortsrates Niedergailbach

Otmar Gros

 

 

Bild 1:  Die ersten Schülerinnen und Schüler des neuen Niedergailbacher Schulgebäudes mit den

             Lehrkräften Klara Thomas und Emil Westrich, hintere Reihe von links.

Bild 2 : Ein Blick in die Runde der Ehrengäste bei der Einweiungsfeier : 1. Reihe von links Schulrat      Josef Groh, Landrat Hermann Trittelvitz und  Kultusminister Dr. Emil Straus.

 
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