Conrad von Bolanden vor 100 Jahren verstorben

Priester und weltbekannter Schriftsteller Conrad von Bolanden vor 100 Jahren verstorben

 

    

Bild 1 Conrad von Bolanden um 1870.

Bild 2 Gedenktafel zum Andenken an den Priester und Schriftsteller Conrad von Bolanden , der

vor 100 Jahren verstarb. Im Hintergrund sein Geburtshaus in der Niedergailbacher Berg-

straße.



In enger Verbindung mit dem kleinen Grenzdorf Niedergailbach stehen drei Priester des 19. Jahrhunderts, die für die Geschichte der Diözese Speyer von großer Bedeutung geworden sind. Neben Bischof Nikolaus von Weis, Domkapitular und Dompfarrer Dr. Dietrich Becker gehört auch Prälat Josef Eduard Konrad Bischof zu den prägenden Geistlichen dieser Zeit.

Vor 100 Jahren, am 31. Mai 1920, verstarb der Speyerer Diözesan-Priester und erfolgreiche Autor Josef Eduard Konrad Bischoff, besser bekannt als Conrad von Bolanden, in Speyer. Als Josef Eduard Konrad Bischoff erblickte diese markante Person der pfälzischen Geistlichkeit am 09. August 1828 in Niedergailbach das Licht der Welt. Sein Geburtshaus, das sich heute im Eigentum von Irmtraud Schicker geb. Gros befindet, steht noch in der Bergstraße Nr. 15 in Niedergailbach. Sein Vater, Gerhard Bischoff, war wohlhabender Händler. Seine Mutter Clara geb. Lonquet, war die Tochter eines französischen Offiziers, der im Gefolge Napoleons nach Blieskastel gekommen war. Die Kindheitsjahre verbringt Josef Bischoff in Niedergailbach. Schon früh zeichnet sich der Weg zum Priester ab: Besuch der Lateinschule in Blieskastel, Lateinunterricht bei Pfarrer Zimmermann in Schönau – die Familie war inzwischen nach Fischbach bei Dahn umgezogen - , ab 1841 Bischöfliches Knabenkonvikt Speyer, ab 1848 Theologiestudium in München. Als 24-jähriger wird er am 20. August 1852 von Bischof Nikolaus von Weis (der am 8. März 1796 in Niedergailbach getauft wurde und später einige Jahre in Niedergailbach lebte, wo er seinen ersten Lateinunterricht vom damaligen Pfarrer Axtmann erhielt) im Dom zu Speyer zum Priester geweiht. Nach seiner Zeit als Domkapitular (1852 bis 1855) und acht Monate Pfarrverweser in Kirchheimbolanden, wirkte Josef Bischoff drei Jahre als Pfarrer im nordpfälzischen Börrstadt, bevor er 1859 die Pfarrei Berghausen übernahm.

 

Bereits während seiner aktiven Seelsorgertätigkeit entstanden acht zu dieser Zeit sehr erfolgreiche und vielbeachtete literarische Werke, die er unter dem Pseudonym „Conrad von Bolanden“ (nach dem ehemaligen Kloster Bolanden bei Kirchheimbolanden) schrieb. Sein ungestümes Eintreten für die katholischen Sache löste auch heftige Kampagnen gegen ihn aus. Bischof Nikolaus von Weis war nicht recht glücklich mit seinem zwar berühmten, aber doch auch stark angegriffenen Priesterschriftsteller. Nach nur 17 Priesterjahren erfolgte auf eigenen Wunsch am 04. Oktober 1869 seine Resignation. Fortan widmete er sich nur noch seiner literarischen Arbeit, mit der er 1857 begann und die er 1914 beendete. Pfarrer Bischoff betrachtete sein Schriftstellertalent als Gabe Gottes, mit der er wuchern müsse. Er schrieb mehr als 60 Erzählungen und zeitkritische Romane, die für damalige Verhältnisse eine immense Auflage erreichten und in bis zu 14 Sprachen übersetzt wurden. Seine zumeist umfangreichen und fundiert recherchierten Romane über historische Ereignisse und Persönlichkeiten wurden auch im Ausland, sogar in den USA, zu Bestsellern. In seinen Werken war die streng katholische Weltansicht des Schriftstellers zu erkennen. Im Nachruf wird er auf seinem Totenblatt als der „gefeiertste Romanschriftsteller der katholischen Welt“ bezeichnet. Anerkennung erhält er zu Lebzeiten von höchster kirchlicher Stelle: Papst Pius der IX. verleiht ihm 1872 den Ehrentitel eines Päpstlichen Geheimkämmerers und Papst Pius der X. ernennt ihn 1907 zum Prälaten.

Von Bolanden war nicht nur durch seine Schriften, sondern auch durch seine hochherzige Freigebigkeit bekannt. So wird er als sehr „freundlicher Herr“ bezeichnet, der aber keinerlei geselligen Verkehr pflegte, selbst nicht mit dem Klerus. Eine Ausnahme gab es allerdings: Bischof Michael von Faulhaber und dessen Nachfolger Bischof Ludwig Sebastian besuchten oft den greisen Priester. Conrad von Bolanden – auch erster geistlicher Autofahrer des Bistums – starb hochbetagt am 31. Mai 1920 in Speyer, wo er auch beigesetzt ist. Die Inschrift auf seinem Grabstein fasst sein Lebenswerk zusammen: „Scriptor erat et defensor fidei.“- „Schriftsteller war er und Verteidiger des Glaubens“.

In Niedergailbach erinnert seit Anfang 1993 die „Von-Bolanden-Straße“ sowie seit 30. Mai 2010 eine Gedenktafel vor seinem Geburtshaus an die berühmte Persönlichkeit, die in Niedergailbach ihre Wurzeln hat und auch immer wieder als Wohltäter der Niedergailbacher Kirche Erwähnung findet.

Otmar Gros

 


 
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