50. Weihetag Marienkapelle
 

Die Wiedereinweihung der Marienkapelle in Niedergailbach im Jahr 1969

Otmar Gros

 Vor 50 Jahren – am 4. Mai 1969 – feierte die Pfarrei „Bruder Klaus“ Niedergailbach die Einweihung der renovierten Marienkapelle. Für die Pfarrgemeinde war dies ein denkwürdiger und lang ersehnter Tag. Sicherlich werden sich noch viele Niedergailbacher an diesen Tag des Dankes und der Freude für den gesamten Ort erinnern.


 

Während des Zweiten Weltkrieges – in den Wintermonaten 1944/45 – verlief bei Niedergailbach über vier Monate die Hauptkampflinie. Durch die kriegerischen Auseinandersetzungen war der Ort am Ende des Krieges zu 80 Prozent zerstört. Auch die kirchlichen Einrichtungen blieben davon nicht verschont. Die Pfarrkirche und das Pfarrhaus wurden total zerstört, die Marienkapelle erlitt schwere Schäden.

In den Nachkriegsjahren konnte die Kirchengemeinde nur die notwendigsten Instandsetzungs-arbeiten an dem Kapellengebäude durchführen lassen, um das Gebetshaus wenigstens vor weiteren Schäden durch Witterungseinflüsse zu schützen. Da der Neubau der Pfarrkirche „Bruder Klaus“ vordringlichste Aufgabe war, mussten die Instandsetzungsarbeiten an der Kapelle zurückgestellt werden.

 

Bei der Kapelle, die am Ortsausgang Richtung Reinheim gegenüber dem Friedhof steht, handelt es sich um eine alte Gebetsstätte. Aus einem Schreiben des Pfarrers Bernatz vom 2. Mai 1867 an das Bischöfliche Ordinariat in Speyer geht hervor, dass die Kapelle „seit uralter Zeit eine Lieblingsgebetsstätte der Niedergailbacher und der Einwohner der umliegenden Ortschaften“ gewesen sei. In alten Kirchenbüchern wird die Kapelle erstmals im Jahr 1816 aufgeführt. Dieses Datum, das offensichtlich nicht das Baujahr bedeutet, bezieht sich vermutlich auf einen Bildstock, der an gleicher Stelle stand. Durch die vielen Beter veranlasst, wurde 1857 mit dem Umbau und der Vergrößerung begonnen – damals entstand die Kapelle in den heutigen Ausmaßen.

 

Pfarrer Filian aus Habkirchen, der in dieser Zeit Pfarrverweser von Niedergailbach war, schrieb am 27. September 1856 an das Bischöfliche Ordinariat Speyer […] fromme Gaben sind es, die den Neubau möglich machen und fromme Gaben werden es sein, aus denen die Kosten der Unterhaltung bestritten werden können, zumal es nicht eine, sondern sechs bis zehn Gemeinden sind, aus denen täglich vom frühen Morgen bis in die späte Nacht zahlreiche fromme Beter sich versammeln.“ Man betrachtete die Gebetsstätte allgemein damals als einen besonderen Gnadenort. Aus alten Kirchenbüchern ist auch zu entnehmen, dass bis zum Zweiten Weltkrieg die Kapelle weiterhin sehr stark von Betern aufgesucht wurde.

 

Aus Schriftsätzen zwischen dem damaligen Pfarrer und dem Bischöflichen Ordinariat geht auch hervor, dass die Kapelle in den Jahren 1857-1859 ohne bischöfliche Genehmigung erbaut wurde.

Dass das Bischöfliche Ordinariat erst mit Schreiben vom 2. Dezember 1875 die Erlaubnis zur Weihe der erweiterten Kapelle erteilte, lag offensichtlich daran, dass die Grundstücksverhältnisse noch nicht geklärt sowie gewisse Forderungen des Bistums nicht erfüllt waren. Am 17. April 1868 nämlich wurde erst der Kaufvertrag zwischen dem „Fabrikrath“ (Verwaltungsrat) von Niedergailbach und dem Ackerer Johannes Becker geschlossen. Die Genehmigung des Kaufvertrages durch die Königlich-Bayerische Regierung der Pfalz – Kammer des Innern - erfolgte am 27. Juli 1868. So schrieb das Bischöfliche Ordinariat Speyer erst am 2. Dezember 1875: „Nachdem nun alle durch die kirchlichen Vorschriften gestellten Bedingungen sowohl hinsichtlich des Eigentums der Kapelle als auch hinsichtlich ihrer Unterhaltung durch die dortige Kirchenfabrik erfüllt sind, so wollen wir hiermit die Genehmigung zur Benediktion derselben gewähren. Zugleich gestatten wir, dass in derselben fünfmal des Jahres nämlich […] die heilige Messe zelebriert werden dürfe.“

 

Aufgrund der durch den Zweiten Weltkrieg verursachten Beschädigungen konnte die Kapelle fast ein Vierteljahrhundert nicht genutzt werden. Pfarrer Hugo Vogelgesang, der am 10. Dezember 1967 in Niedergailbach eingesetzt wurde, ergriff gleich die Initiative zur endgültigen Renovierung der Kapelle. Durch eine beispielhafte Opferbereitschaft schuf die Dorfbevölkerung zunächst den finanziellen Grundstock für die Instandsetzungsarbeiten. Aber auch die Saarländische Landesregierung und das Bischöfliche Ordinariat leisteten finanzielle Unterstützung.

 

Am Sonntag, 4. Mai 1969, konnte dann die Kapelle durch Domkapitular Prälat Bruno Tiebes - in Vertretung des Speyerer Bischof Isidor Markus Emanuel - eingeweiht werden. Gleichzeitig erfolgte die Weihe einer Statue der Madonna von Stalingrad. Prälat Tiebes brachte bei der Feier seinen Wunsch zum Ausdruck, dass die Marienkapelle zu einer Stätte des Friedens werden möge, nicht nur für die Pfarrei, sondern auch darüber hinaus für die großen Anliegen des Friedens in der Welt. Bei der Einweihung im Jahr 1969 wurde das Gebetshaus als Friedenskapelle unter den Schutz der Stalingrad-Madonna gestellt.

Zur Einweihungsfeier, die am Sonntagnachmittag mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche „Bruder Klaus“ begann, fanden sich viele Gläubige, auch aus den Nachbargemeinden diesseits und jenseits der deutsch-französischen Grenze ein, sodass die Pfarrkirche nicht alle Besucher fassen konnte. Im Anschluss an den Gottesdienst wurde in einer feierlichen Prozession die Madonnenstatue von acht Frontsoldaten des Zweiten Weltkrieges durch die mit Fahnen geschmückte Hauptstraße (die heutige Bischof-Weis-Straße) von der Pfarrkirche zur Kapelle getragen.

 

Die Fürbitten um den Frieden und für Verständigung zwischen den Konfessionen und den Völkern wurden bei dieser Feier von einem evangelischen und katholischen Christen sowie jeweils in seiner Muttersprache von einem Franzosen, einem Russen, einem Italiener, einem Polen und einem Deutschen vorgetragen.  Der Männergesangverein Niedergailbach unter der Leitung von Heinrich Oesterlein und der Kirchenchor „Bruder Klaus“ unter der Leitung Josef von Oberinger gestalteten die Feier gesanglich mit. Die eigens zur Kapelleneinweihung gebildete Musikkapelle unter der Leitung von Matthias Rebmann, sorgte für die musikalische Umrahmung der Einweihung. Die Messfeier am Sonntagvormittag, die bereits im Zeichen dieses großen Tages stand, hatte der Männerchor mit der vierstimmigen Schubertmesse ausgestaltet.

 

Das Kapellengebäude ist ein einfacher Saalbau mit einem dreiseitigen Schluss im Chorraum. Das Äußere und der Innenraum des Gebetshauses sind sehr schlicht gehalten. Das Gebäude hat folgende Maße: 4,03 m breit, 7,81 m lang und 4,43 m hoch. Das mit dunklen Biberschwanzziegeln eingedeckte Satteldach ist über dem Chor dreifach abgewalmt.

Das Rundfenster über der Eingangstür und die drei großen Rundbogenfenster sorgen dafür, dass genügend Licht in den Raum dringt. Die Fenster sind außen mit einem glatt gehauenen Sandsteingewände gefasst, das hellrosa gestrichen ist. Im Chorraum steht ein einfacher Blockaltar und ebenso einfach ist das Holzkreuz, das von der hellen Holzdecke herunterhängt. Und ein einfaches Eisenkreuz an der äußeren Südwestseite macht nochmals deutlich, dass es sich um ein kirchliches Gebäude handelt.

Mit der kunstvollen Holzplastik der Stalingrad-Madonna, die auf Initiative von Pfarrer Hugo Vogelgesang in der Kapelle ihren Platz gefunden hat, beherbergt das Haus seit dem Jahr 1969 ein außergewöhnliches Kunstwerk. Dieses 93 cm hohe Kunstwerk wurde von einem Oberammergauer Holzschnitzer geschaffen. Als Vorlage diente die Kohlezeichnung des evangelischen Pfarrers und Oberarztes Dr. Kurt Reuber, die dieser für Weihnachten1942 in der Hölle des Kessels von Stalingrad auf der Rückseite einer russischen Landkarte für seine Kameraden gemalt hatte. Mit einer der letzten Transportmaschinen konnte am 7. Januar 1943 das Bild noch nach Deutschland ausgeflogen werden. Kurt Reuber selbst kam Anfang Februar 1943 in russische Gefangenschaft. Im Kriegsgefangenenlager Jelabuga – 500 km vor Gorki – starb Kurt Reuber 38-jährig am 20. Januar 1944 am Flecktyphus.

Neben der Stalingrad-Madonna befinden sich seit 4. September 2013 weitere Kunstwerke in dem Gebetshaus, nämlich sieben Plastiken, die die „Sieben Schmerzen Mariens“ darstellen. Die aus dem pfälzischen Dorf Trulben stammende Künstlerin Agnes Späth hat das Kunstwerk aus Ton gefertigt und dem damaligen Pfarrer Günter Broy geschenkt. Er hat die Plastiken der Pfarrei „Bruder Klaus“ zu seinem Abschied übergeben.

 
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