Sinnbild für ein zukunftsfrohes Leben

Die Plastik der „Stalingrad-Madonna“ ist derzeit in der Bruder Klaus-Kirche von Niedergailbach zu sehen. Die Plastik, die aufgrund einer Kohlezeichnung des evangelischen Geistlichen, Arzt und Malers Dr. Kurt Reuber entstanden ist, wechselt Ende April in die Marienkapelle.Nach der Vorlage einer Zeichnung ist einst die so genannte Stalingrad-Madonna entstanden. Jetzt wird sie in Niedergailbach ausgestellt.

Wer derzeit die Niedergailbacher Bruder-Klaus-Kirche besucht, wird in der Taufkapelle auch vor der Holzstatue stehen bleiben. Von ihr geht eine eigenartige Faszination aus. Die Betrachter werden still und nachdenklich, halten ein stummes Zwiegespräch mit den Figuren, Kind und Mutterkopf zueinander geneigt, von einem großen Tuch umschlossen. Sie sehen auch, wie die Mutter ihr Kind hält und wie der Mantel beide umschließt. Vor 75 Jahren, am 2. Februar 1943, kapitulierte die 6. Deutsche Armee unter Feldmarschall Friedrich Paulus. Für die ältere Generation steht Stalingrad für die blutigste Schlacht des Zweiten Weltkrieges, mit ungeheuren Verlusten auf deutscher wie auch auf russischer Seite, aber auch zugleich für die Wende im schrecklichsten Krieg des zwanzigsten Jahrhunderts.

Der evangelische Geistliche, Arzt und Maler Dr. Kurt Reuber malte kurz vor Weihnachten 1942 im Kessel von Stalingrad, in einem Erdbunker, von düsterem Flaklicht umgeben, mit einem Kohlestift die „Stalingrad-Madonna“ auf die Rückseite einer russische Landkarte. Im Januar 1943 brachte ein schwerkranker Kommandeur die Madonna mit anderen Zeichnungen und einem Selbstbildnis Reubers aus dem Kessel heraus. Es war die letzte deutsche Maschine, die Stalingrad verließ. Das Bild wurde gerettet, Reuber selbst starb im Juni 1944 in russischer Gefangenschaft. Er schrieb in seinem Adventsbrief 1943 an seine Frau: „Schau in dem Kind das Erstgeborene einer neuen Menschheit an, das unter Schmerzen geboren, alle Dunkelheit und Traurigkeit überstrahlt. Es sei uns ein Sinnbild sieghaften zukunftsfrohen Lebens, das wir nach aller Todeserfahrung umso heißer und echter lieben wollen, ein Leben, das nur lebenswert ist, wenn es lichtstrahlend rein und liebeswarm ist“.

Auf Initiative des ehemaligen Niedergailbacher Pfarrers Hugo Vogelgesang wurde nach der Vorlage in Oberammergau eine Statue geschnitzt, die 1969 in der Niedergailbacher Marienkapelle eingeweiht wurde. An den Rand des Bildes, dessen Original seit 1983 in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche hängt, hatte Reuber die Worte des Johannes-Evangeliums „Licht - Leben - Liebe“ geschrieben. sie mahnen zu Versöhnung und Frieden: Licht statt Finsternis, Leben statt Tod und Liebe statt Hass. Viele Menschen kennen die Ereignisse von Stalingrad heute nicht und kaum jemand der jüngeren Generation weiß, dass das heutige Wolgograd früher einmal Stalingrad hieß. Ende April kehrt die Statue in die Marienkapelle von Niedergailbach zurück, wo sie den Sommer über stehen wird.

FOTO: Wolfgang Degott

 
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